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Karate heute, was ist das?

Das sind Wettkämpfe, Meisterschaften, Turniere, Show-Veranstaltungen. Karate ist aber auch Schulsport, Breitensport, Bewegungstherapie für ältere Menschen. Also, Karate heute bietet uns ein umfangreiches Spektrum und in einem großen Verband wie dem DKV kann jeder Karate nach seiner Fasson betreiben. Karate als Sport hat ganz ohne Zweifel seine eigene Faszination, aber so wie Karate heute vielfach betrieben wird, kann es nicht den Anspruch auf den Titel Kampfkunst haben. Nicht umsonst spricht man allgemein von Kampfsport. Man muss sich nur einmal vor Augen halten, mit welch minimalem Aufwand man heutzutage zum " Meister " werden will. Ein normaler Karateka trainiert ca. 2 mal die Woche, ein guter, fleißiger Schwarzgurt vielleicht 3 mal, Profis 4 - 5 mal, aber auch nicht mehr als 10 Stunden, sogar sog. " Spitzensportler " trainieren selten mehr als 2 - 3 mal in der Woche. Aber die alten Meister übten meist 10 Stunden am Tag, also an einem Tag mehr als die meisten von uns in einer Woche. Wobei üben natürlich nicht nur körperliches Training beinhaltete sondern vielmehr auch das Aneignen von Kenntnissen in der Heilkunde, Akupunktur, Hilfe nach Verletzungen ( Kuatsu ) und vieles mehr. Ein alter Meister sagte einmal: bevor du jemanden verletzt, solltest du ihn heilen können! Nichtsdestotrotz bietet Karate auch heute jedem, der es ernsthaft betreiben will, die Möglichkeit über das Do, den Weg des Karate, zu sich selbst zu finden. Etwas zu tun für seine Gesundheit und um seinen Charakter zu formen. Auch sei an dieser Stelle einmal deutlich klargestellt, dass der Ursprung des Karate nicht in Japan (dem Festland) lag, sondern auf Okinawa (das heute zu Japan gehört und im 16. Jahrhundert von Japan annektiert wurde) und schon gar nicht eine Erfindung der JKA ist, wie früher oftmals weiß gemacht wurde..
Die hierarchischen Strukturen, wie Organisationen, Graduierungen usw. sind entstanden aus dem System des japanischen Militarismus. Dies gab und gibt es in dieser Form auf Okinawa nicht.
Ehrfurcht vor dem Meister ist und war etwas anderes als blinde Unterwürfigkeit.
Von den Selbstverteidigungstechniken Okinawas zum Karate
Tode ist die Bezeichnung, die man auf Okinawa in frühester Zeit für die dort ausgeübten Selbstverteidigungstechniken gebrauchte. So nannte man alle Techniken, die meist von chinesischen Gesandten nach Okinawa gebracht wurden und sich mit den Techniken, die man dort übte, ergänzten. Mit To wurde alles bezeichnet was aus China kam. De, oder auf Japanisch Te, bedeutet Technik oder Hand. Mit Tode ist also gemeint, die Technik der Chinesen oder Technik aus China.
Die spätere Bezeichnung für die Kampfkunst Okinawas ist Okinawa-Te. Diese wurde dann im 20. Jahrhundert von Meister Funakoshi in Karate umbenannt. Vermutlich gab es zwischen dem Tode und dem Okinawa Te nur wenig Gemeinsamkeiten. Im Gegensatz zu den meisten chinesischen Kampfsystemen dienten die Techniken des Tode rein der Selbstverteidigung und hatten keinen philosophischen, ethischen oder therapeutischen Anspruch. Im 14. Jahrhundert gelangten die ersten Formen der chinesischen Kata auf die Insel und als im Jahre 1429 König Sho Hashi den Besitz jeglicher Waffen verbot veränderte sich auch die Kampfmethode. Es war auch die Zeit, in der die Handhabung verschiedener landwirtschaftlicher Geräte für den Kampf zur Entwicklung des Kobudo führte.
Im 17. Jahrhundert teilte sich das ganze System dieser ursprünglichen Kampfkunst in Shorin -Ryu ( entstanden in Shuri und Tomari ) und in Shorei-Ryu ( ausgeübt in Naha ). War jedoch, im Gegensatz zum heutigen Karate, nach wie vor eine reine Selbstverteidigung und unterschied sich erheblich von den später entstandenen japanischen Stilen. Ein gravierender Unterschied zu den heutigen Techniken war u.a. dass sich alle Fußtechniken zur unteren oder mittleren Stufe richteten, wobei alles Spektakuläre als Risiko angesehen wurde. Alle Fußtechniken, die in den Katas nicht enthalten sind, wurden erst später in Japan entwickelt ( wie z.B. mawashi geri, ura mawashi aus ashi barai, usw.). Zwischen dem Okinawa-Te und dem heutigen Karate weisen auch die Trainingsmethoden und -inhalte wesentliche Unterschiede auf. Im Wettkampfkarate z.B. ist das Ziel Punkte zu sammeln, während das Okinawa-Te die Wirkung der Technik betonte. Man übte nicht um zu gewinnen, sondern um zu überleben. Was auch durch den Spruch von Funakoshi Gichin " es ist nicht wichtig zu siegen, vielmehr ist es wichtig nicht zu verlieren " verdeutlicht wird.
Der kämpferische Sinn lag nicht allein im Treffen des Gegners, sondern vielmehr in der Wirkung der Technik ( Ikken-Hissatsu). Natürlich setzte dies auch Kenntnisse der vitalen Punkte voraus. Die meisten der Techniken, wie sie z.B. in der klassischen Kata vorkommen, sind für den sportlichen Wettkampf nicht zu gebrauchen. So entwickelten sich im "modernen Karate" reine Körpertechniken ( Shosa )und veränderten natürlich das gesamte Gefüge der alten Kunst. Virtuosität in der Bewegung und Schnelligkeit um den Gegner zu übertreffen, waren Dinge, welche die alten Meister nicht, oder nur wenig, interessierten. Viel wichtiger war ihnen, die Kraft in der Technik des Gegners zu neutralisieren. Das Ziel in der Selbstverteidigung war, selbst tödliche Techniken zu entwickeln und andererseits von den Waffen des Gegners nicht getroffen zu werden, oder den Körper so abzuhärten, dass er starke Schläge heil überstehen konnte. Diese Aspekte sind für die Selbstverteidigung auch heute noch unerlässlich, während sie für den sportlichen Wettbewerb, in dem es um Punkte geht, nicht relevant sind.
Also, der wichtigste kampfbezogene Aspekt des Okinawa-Te war die Tödlichkeit seiner Techniken. Ihr Interesse galt ausschließlich der Realität. Distanzen, Stellungen und Bewegungsformen wie sie im heutigen Wettkampfkarate benützt werden, sind für die Selbstverteidigung meist untauglich. Während das ganze Kampfgeschehen im Sport, im Wettkampf, aus einer großen Distanz ausgeübt wird, erfolgen in der SV, sprich Realität, alle Aktionen meist in der Nahdistanz. Allein die Risikobereitschaft für den Angriff, wie er im Sportkarate praktiziert wird, kann in der SV tödlich sein. De-ai Techniken z.B. werden, aufgrund der Regelauslegung im Wettkampf, kaum mehr trainiert und angewandt, weil meist der Angreifer den Punkt erhält. Die Realität jedoch sähe ganz anders aus.
Irgendwie ist es schon paradox, dass man als Wettkampfsportler nebenbei Selbstverteidigungstechniken üben muss, um sich im Ernstfall wehren zu können.

Um zu überleben mussten die alten Meister Mittel und Wege finden, ihre Methoden der Kampfführung, die Anwendung der geheimen Techniken und Taktiken etc. unsichtbar für die Öffentlichkeit zu verschlüsseln. Der Weg dazu war die Kata. Bedauerlicherweise erfüllt diese heutzutage im Sportkarate nicht mehr ihren ursprünglichen Sinn und das macht es unheimlich schwierig den traditionellen Hintergrund jeder Technik zu erfassen. Über die innere Bedeutung der Technik ( Kontrolle der Atmung, der vitalen Energie und des Geistes ) soll uns die Kata Aufschluss geben und über ihre kämpferische Anwendung. Ohne Verständnis der Technik und ihres umfassenden Inhalts verliert das Karate seinen erzieherischen Wert im Sinne des Budo und ist nicht besser oder schlechter als jeder andere Sport auch.
Um das ganze Sportgeschehen attraktiver zu gestalten, erlaubt man heute Variationen in den Kata, untermalt sie mit Musik und praktiziert schon wieder eigenständige Disziplinen ( z.B. Sound-Karate ). Die Schere zwischen Tradition und sportlichem Karate wird immer größer, es sind wirklich schon zwei verschiedene Dinge. Die sportliche Leistung der Athleten jedoch soll dadurch keineswegs abwertend beurteilt oder geschmälert werden. Aber um eine Kata zu meistern und ihren Inhalt zu verstehen gehört etwas mehr dazu als nur sportliches Talent. Aber zurück zu den Ursprüngen.
Die Technik gibt erst dann, wenn sie vom sinngemäßen Inhalt her zu ihrem Ursprung zurückverfolgt wird, dem Übenden jene Eigenheiten preis, durch die sie wirklich verstanden und angewendet werden kann. Der erzieherische Wert der alten Kampfkünste besteht aus der in der Übung erwachsenden Fähigkeit des Menschen zu seinen Extremen und nicht allein in der Ausübung eines Sportes. Wobei selbstverständlich der allgemeine erzieherische und therapeutische Wert des Sports nicht in Abrede gestellt wird. Aber Härte z.B., auch und gerade sich selbst gegenüber, darf jedoch nicht soweit führen, dass man sich, wie gerade in der Vergangenheit oft genug bewiesen, selbst schädigt oder verstümmelt. Viele der Karateka, die schon jahrelang trainieren, wissen sicher ein Lied davon zu singen, was man durch falsche Anleitung ( speziell auch mancher sog. Großmeister ) an gesundheitlicher Schädigung anrichten kann.
Den Japanern gelang es nie, den Schleier des Geheimnisses um die Okinawanische Kampfkunst zu lüften, bis zu dem Tag, an dem Funakoshi ( wie auch Mabuni und Miyagi ) sie vorstellte. Jeder auf Okinawa wusste um die Existenz dieser Kunst, aber keiner kannte die Praxis oder die Lehrer, denn nur über die Kata, das Herz der Kampfkunst, wurde das Wissen an Familienmitglieder oder enge Vertraute weitergegeben.
Als Meister Itosu ( über ihn wird später noch berichtet ) im Jahre 1905 die Okinawanische Kampfkunst in den öffentlichen Schulen einführte, entfachte er einen Sturm der Entrüstung bei den anderen Meistern der Kampfkunst. Obwohl er eigens zu diesem Zweck die Pinan Katas gründete, die nur Techniken für die Gesunderhaltung enthielten und keinerlei kämpferische Geheimnisse preis gaben. Jedoch bin ich überzeugt, dass heute kaum Jemand über den gesundheitlichen Aspekt dieser Katas und deren Techniken, wie z.B. Gedan Barai, Bescheid weiß, geschweige denn vermittelt. Woher auch!!!
So wie das gesamte Okinawanische Kampfkunstgeschehen immer zwei Seiten hatte: eine offizielle, nach außen gestaltete und eine geheime, nach innen gekehrte Seite, unterschieden die Meister ihre Schüler in Soto-Deshi ( äußerer Schüler ) und Uchi-Deshi ( innerer Schüler ). Während die Uchi-Deshi jene waren, die durch ihre lebenslange Treue zum Meister das Potential zur Erforschung der esoterischen Inhalte besaßen, hatten die Soto-Deshi den Drang zur Öffentlichkeit und die Begabung zur physischen Leistung. Nach vielen Jahren harter Übung wählten die Meister ihren Nachfolger unter jenen aus, die sich um die wahre innere Lehre bemühten und zeigten ihm die korrekte Bedeutung der Bewegungen und erklärten ihre Wirkungen auf den eigenen Geist, auf die Gesundheit und den Fluss des Ki.
Die heutigen etablierten Systeme des Karate sind zumeist Soto-Linien und lehren zum größten Teil ein verändertes Bunkai, das auf die sportliche Anwendung der Techniken abgestimmt ist. Diese Bunkai-Formen wurden als rein formelle Aspekte des Kämpfens gegründet, wodurch die meisten Techniken ihre innere Bedeutung verloren.
Viele der heutigen Kata sind rhythmusmäßig beschleunigt, verkürzt, oder verändert, weil die meisten der Lehrer Soto-Deshi Linien entstammen und sie nicht in der Lage sind, den Inhalt der Kata zu erklären. Meist sind es die nutzlos erscheinenden Techniken oder Bewegungen, die zum tieferen Sinn der Kata führen.
Heute ist es so, dass das alte, Okinawanische Karate mit all seinen traditionellen Inhalten vom
"modernen" Karate weltweit überflügelt wurde. Nach wie vor hat jedoch jeder Stil seinen Großmeister und ausschließlich eigene Entscheidungsrechte. Die Hierarchie entspricht auch heute noch der herkömmlichen Tradition, das Einteilungssystem nach wie vor der herkömmlichen Methode: Shorin-Ryu und Shorei-Ryu.

Die Okinawanischen Stile:
Shuri-Te = Sukunai Hayashi Shorin-Ryu - Kobayashi Shorin-Ryu
Naha-Te = Goju-Ryu, -Uechi-Ryu
Tomari-Te = Matsubayashi Shorin-Ryu
Es gibt noch ungefähr zehn weitere Verbände, kleinere traditionelle aber auch moderne Stilrichtungen.
SHOREI-RYU
ist der Überbegriff für alle Okinawanischen Kampfsysteme, die sich aus den chinesischen inneren Schulen abgeleitet haben. Shorei bedeutet in einem Okinawanischen Dialekt auch Shaolin. In Okinawa entstand das System nach dem Shorin-Ryu und verbindet seine Geschichte mit dem Namen des großen Okinawanischen Kampfkunstexperten Kanryo Higashionna. Dieser studierte in China die weiche, innere Kampfkunst und gründete, nachdem er nach Okinawa zurückgekehrt war, in Naha eine Schule, in der er einen Stil lehrte, der sich wesentlich von den bisher bekannten ( Sakugawa und Matsumura aus Shuri ) unterschied. Diese Kampfkunst ist bekannt auch als Naha-Te. Das Shorei-Ryu kennzeichnet sich vor allem durch seine mit dem Boden verankerten Stände ( Shiko Dachi ) seinen speziellen Atmungstechniken ( Ibuki und Nogare ) und den Wechsel von weichen und harten Techniken. Die Distanzen sind deutlich kürzer und die Techniken Nahkampf bezogen. Die Bewegungen sind weniger schnell als im Shorin-Ryu, jedoch in vollkommener Harmonie mit der Atmung. Die größten im Shorei-Ryu klassifizierten Systeme sind Goju-Ryu und Uechi-Ryu.
SHORIN-RYU
ist der Überbegriff für die Okinawanischen Kampfkünste der äußeren Schulen. Übersetzt bedeutet Shorin Ryu " Schule des jungen Waldes " und Shorin ist die Okinawanische Aussprache für Shaolin. Die Bezeichnung entwickelte sich am Anfang des 19. Jahrhunderts. Die Initiative zum Shorin-Ryu, so wie wir es heute kennen, ging von Shuri aus ( Shuri-Te ) und zwar von Meister Sokon Matsumura, einer der Schlüsselfiguren des Okinawanischen Karate. Sokon Matsumura und Kosaku Matsumora, Repräsentant des Tomari-Te, diese beiden bedeutenden Schulen gelten als Ausgangspunkt für das sich heranbildende Hauptsystem Shorin-Ryu, dessen Charakteristiken sich bereits durch Sakugawa ( ein Soto-Deshi des Chinesen Koshokun, von ihm wird später noch berichtet ) vom Shorei-Ryu abzuheben begannen. Durch Matsumura entstand das Shuri-Te und er überlieferte die Kata Matsumura Patsai, welche als Basis aller Bassai-Formen des Shuri-Te gilt. Auch die Shotokan Varianten haben darin ihren Ursprung. Er gründete auch den Begriff des Shorin-Ryu und nannte seinen Stil zum ersten Mal Shorin-Ryu-Gokoku-an-Karate. In der Matsumura-Schule entstand kein einheitliches Katasystem des Shorin-Ryu, vielmehr gewährleistete die Schule nur den Zusammenschluss von fast allen Kata der äußeren Systeme, die zu jener Zeit geübt wurden. Typisches Merkmal für diese Stilrichtungen sind schnelle Bewegungen, flüssige Kombinationen, hohe Stände und Sabaki-Formen. Die Entstehung ist sehr von den chinesischen äußeren Systemen ( Shaolin ) beeinflusst. Die größten, im Shorin Ryu klassifizierten Systeme sind: Shotokan Ryu, Shito Ryu, Isshin Ryu, Matsubayashi Ryu.


Yasutsune Itosu , die " heilige Faust des Shuri-Te" war einer der größten Meister der Kampfkünste, die es je gab. Er war jedoch nicht unumstritten und hatte unter den Meistern der Okinawanischen Kampfkunst nicht viele Freunde. Sein bedeutendster Beitrag waren seine Kata. Er sagte: " Karate ist eine Art zu leben, ein Weg um absolute Sicherheit und Furchtlosigkeit zu erlangen. Ein Mensch, der die Kata übt, kann durch bestimmte Schwerpunktlegungen in ihnen seine individuellen Fähigkeiten bis zur äußersten Grenze verbessern."
Itosu war der äußere Schüler Matsumuras, der innere Schüler war Anko Azato. Im Jahre 1905 gründete er die Pinan ( jap. Heian ) Formen und führte sie, wie bereits erwähnt, an den Grundschulen Okinawas ein. Außerdem entwickelte er einige Kataformen weiter, was u.a. zur Gründung von Tekki Nidan, Tekki Sandan, Bassai Sho und Kanku Sho führte. ( Tekki wurde z.B. aus Naihanchi entwickelt, eine Kata, die heute in dieser Form nicht mehr geübt wird. Ich denke, dass Itosu durch seine Veränderungen bereits damals den Grundstein für die vielen Variationen, die heute bekannt sind legte. Viel von den Geheimnissen, die in den Kata verborgen sind, ging schon zu jener Zeit verloren. Er hat es bestimmt gut gemeint, aber ich glaube, dass er durch seine Veränderungen auch mit schuld hat an dem Durcheinander, das wir heute im Kata-Bereich weltweit haben. Ein direkter Schüler von Itosu war Funakoshi Gichin.
Funakoshi Gichin, mit seinem Namen ist die gesamte Entwicklung des japanischen Karate verbunden. Er wurde nach langen Beratungen der Okinawanischen Meister dazu auserwählt, im Mai 1922 nach Japan zu gehen und den Japanern einen dreihundert Jahre alten Wunsch zu erfüllen: die Freigabe des Geheimnisses um das alte Okinawanische Tode. Niemand ahnte damals, dass es eine Reise ohne Wiederkehr werden sollte. In seinem freiwilligen Asyl widmete der damals 53-jährige Meister den Rest seines Lebens der Verbreitung des Karate Do. Allerdings war des Meisters Weg durch die Kampfkünste nicht frei von Emotionen und Enttäuschungen und führte schließlich zur Gründung des von ihm nie beabsichtigten Shotokan Stils. Funakoshi war immer gegen Stilrichtungen. Für Anfänger ja sagte er, aber für Fortgeschrittene gibt es nur ein Karate.
Die besondere Freundschaft zu Meister Kano ( Gründer des modernen Judo ) , die er bis zu seinem Lebensende tief verinnerlichte, brachte ihn in große Konflikte zu seiner traditionellen Auffassung über die Lehre der Kampfkunst, was bei seinen Schülern der ersten Generation oft zwiespältige Eindrücke hinterließ. Einige dieser " Modernisierungsmaßnahmen " von Kano ( z.B. das System der Graduierungen ) beeinflusste auch das Karate und bewirkte in Funakoshis Dojo, dass einige Schüler ihn verließen, weil sie das " Vergehen an der Tradition " nicht billigten. Deshalb war der Meister gezwungen, Kompromisse in der Trainingsführung zu schließen, die danach häufig seine eigentlichen Absichten überstiegen. Oft war auch sein Sohn Yoshitaka der Anlass dafür, dass viele der japanischen Größen nach geraumer Zeit sein Dojo wieder verließen um sich anderweitig zu orientieren.
Auch Ohtsuka z.B. ( Gründer des Wado-Ryu und von Funakoshi sehr geschätzt ) war einer dieser Schüler, die für immer das Dojo verließen. Allerdings begannen sich allmählich Schüler zu etablieren, die nach Ohtsukas Abgang das Shotokan würdig zu vertreten verstanden. Zu ihnen gehörten vor allem Takeshi Shimoda, Shigeru Egami und Genshin Hironishi. Und es waren die Leute der alten Garde, die zu jenen Schülern Funakoshis, die nach dem Weltkrieg eine vollkommene Revision der Kampfkünste forderten, wie Nakayama, Obata, Nishiyama u.a., eine starke Opposition bildeten und somit die eigentlichen Vertreter von Funakoshis Kampfkunst wurden. Das von der breiten Masse immer mehr geachtete Sportkarate entwickelte sich jedoch unvermeidlich. Wie eine Explosion verbreitete sich die Kampfkunst. Aber, nicht zuletzt durch Lehrer, die Schüler u.a. in Techniken des Straßenkampfes ausbildeten, bekam Karate auch einen sehr schlechten Ruf und geriet plötzlich in eine schwere Krise. Mein Lehrer, der im Übrigen aus der Instruktorklasse Nakayamas kam, erzählte mir einmal, dass Schüler, wenn sie den 3. - 1. Kyu besaßen, bewusst in Spelunken oder an irgendwelche gefährlichen Orte geschickt wurden um ihr " Können " im Ernstfall unter Beweis zu stellen. Auch heute ist es noch so, dass Karate in Japan bei weitem nicht den hohen Stellenwert hat, wie viele glauben und der schlechte Ruf von damals haften blieb. Die wirklichen Lehrer wie Funakoshi, Mabuni und Miyagi, hatten keinen Einfluss mehr auf diese Entwicklung.


Im Jahre 1943 begann man mit der Übung des Gohon-Kumite, dann Sanbon -Kumite und schließlich Ippon-Kumite. Maßgeblich beteiligt an dieser Entwicklung war Masatoshi Nakayama, der zu den älteren Lehrern des Shotokan - Dojos, wie bereits erwähnt, nicht das beste Verhältnis hatte. Nakayama begann 1946, als er aus China zurückkehrte, in Funakoshis Abwesenheit die Schüler der Takushoku-Universität ( die im Übrigen unter den japanischen Universitäten nicht den Ruf hat wie uns vielfach weis gemacht wird, in der Hierarchie eher weiter unten steht, jedoch exzellente Karatekämpfer hervor brachte ) neu zu organisieren.
1949 gründete er die JKA, um Karate als Wettkampfsport zu verbreiten. Er erbat Meister Funakoshis Hilfe für ein Wettkampfsportprogramm, die dieser ihm jedoch verweigerte.
Meister Funakoshis Beziehung zur JKA war mehr als lose, entgegen der heute als offiziell bekannten Wahrheiten.
M. Nakayama übernahm 1955 gänzlich die Führung der JKA und es gelang ihm, den ersten offiziellen Wettkampf auszutragen, der von Hirozaku Kanazawa gewonnen wurde, Funakoshi jedoch erlebte dies nicht mehr, er starb am 26. April 1957 im Alter von 88 Jahren.
Karate in Japan
Karate-Do beinhaltet heute viele Stile, deren Ursprung alle in die zwei großen Okinawanischen Systeme münden: Shorin-Ryu und Shorei-Ryu. Auch in Japan entstanden nach 1930 mehrere Stile, deren Ursprung jedoch ebenfalls nach Okinawa führt.
Die wichtigsten japanischen Stile sind:
Shotokan-Ryu ( Funakoshi ), Shito-Ryu ( Mabuni ), Wado-Ryu( Ohtsuka ), Goju-Ryu
Die wichtigsten Okinawanischen Stile sind:
Matsubayashi-Ryu ( Nagamine ), Kobayashi-Ryu ( Chibana ), Sukanai Hayashi-Ryu
Nach dem Zweiten Weltkrieg begannen sich die japanischen Stilrichtungen zu großen Organisationen zusammenzuschließen. In den meisten Fällen nahm man Jigoro Kanos Judo-Organisation zum Vorbild und strebte eine weltweite Verbreitung des Karate über den Wettkampfweg an. In Okinawa entstand insbesondere durch die Okinawa Karate Kobudo Renmei eine traditionelle Gegentendenz. Die großen japanischen Organisationen gründeten jedoch danach weltweit viele Zweigstellen und darüber hinaus entstanden überall auch eigenständige Verbände, die sich gegenseitig die Kompetenzen absprechen, so dass die Lage heute unüberschaubar ist.
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